# 05/2015

Der 06. Januar 2015. Ein wundervoll sonniger Tag! Kalt, aber wunderschön!

Wir waren heute ca. anderthalb Stunden laufen. Die frische & kühle Luft tat unheimlich gut. Tiefe Atemzüge, die Sonne spüren & Schluckauf! Ich weiß, das passt so gar nicht in diese Atmosphäre...

Heute ist ein Tag, an dem ich irgendwie sehr nachdenklich gestimmt bin. Ich denke viel über mein Leben, vor allem jedoch über mein Essverhalten nach. Ich weiß, dass mein Verhalten im Bezug auf Essen völlig gestört ist. Normal und gesund abnehmen scheint für mich unmöglich zu sein. Ich schwanke zwischen Fressattacken und Hungern. Ich freue mich, wenn mein Magen knurrt. Fühle mich unwohl, wenn ich mich satt gegessen habe und würde jedes Mal am Liebsten in Richtung Porzellangott rennen. Der tägliche Kampf mit den Kalorien wird schlimmer. Ständig ist da diese kleine, aber doch sehr, sehr laute Stimme in meinem Kopf, die mich nahezu anschreit, dass ich weniger essen soll. Weniger Kalorien! Weniger Fett! 

Das Spiegelbild ist mein größter Feind. Ich finde mich fett. Das Mädchen - oder eher gesagt die Tonne - die mich dort ansieht widert mich an. Ich habe einen regelrechten Ekel vor mir selbst. 

Jeder Bissen wird von dieser Person in meinem Kopf genauestens beobachtet. Meine Bewegungen, meine Schritte, mein ganzes Leben wird genau analysiert. Und täglich schreit mich diese Person an: "Hör auf zu fressen! Lass es! Du wirst so nicht glücklich! Du wirst immer noch FETTER! FETT! FETT! FETT! Genau das bist DU!!!" 

Es scheint wie eine Art Psychoterror. Doch ich komme nicht davon los. Sie hat mich unter Kontrolle. Scheint die Einzige Person zu sein, die mich versteht. Die mein Unwohlsein verstehen kann. Die Einzige, der ich - abgesehen von meinem Freund - noch vertrauen kann. Die Einzige, die mich wohl niemals im Stich lassen wird.

Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich diese Stimme aus meinem Kopf verbannen möchte. Ich möchte sie los werden, versuche sie zu ignorieren, bis diese Stimme immer leiser wird. Das was sie sagt immer unwichtiger. Doch irgendwann - früher oder später - kämpft sich dieser kleine Teufel (zugleich jedoch auch Engel) in meinen Kopf und in mein Leben zurück. Ich kann sie niemals ganz verstummen lassen. Und sobald die Stimme wieder auftaucht, beginnt sie erneut, mein Leben zu kontrollieren, alles was ich tue, zu analysieren und mein Leben in ihre Hand zu nehmen. 

Seit vielen Jahren schon kämpfe ich gegen diese Stimme. Und gegen mich. Seit meinem 15. Lebensjahr. Heute bin ich 21.
6 Jahre in einem Wechselbad der Gefühle.
6 Jahre im Kampf gegen diese Stimme und gegen mich selbst.
6 Jahre lang der Drang Kalorien zu zählen, doch gleichzeitig diese Stimme leiser werden zu lassen.

Ich kann es nicht. Ich fühle mich unwohl. Diese Stimme in meinem Kopf gibt mir Sicherheit. Die Sicherheit, mein Gewicht und meinen Körper kontrollieren zu können, auch wenn alles andere unkontrollierbar wird und den Bach hinunter geht. 

Ich bin auf diese Stimme angewiesen. Diese Stimme zeigt mir einen Weg. Ob es der richtige ist? Wohl kaum! Aber es ist ein Weg! In all dem Chaos vielleicht sogar der Ausweg. Ein Weg raus aus diesem Leben. Ein Weg in ein leichtes, glückliches Leben. 

Zugern wüsste ich, was es bedeutet wirklich glücklich zu sein. Und wie es sich anfühlt, sich in seiner eigenen Haut wohl zu fühlen. 

Ich kann nicht mit ihr, aber auch niemals ganz ohne sie. Seit 6 langen Jahren begleitet sie mich. 


Wer diese Stimme ist?
Der Engel auf meiner rechten & der Teufel auf meiner linken Schulter!

Der Drang ständig abzunehmen. Diese Stimme im Kopf. Das akribische Kalorien-Zählen. Der tägliche Gang auf die Waage mit der stetigen Hoffnung, wieder abgenommen zu haben. Das schlechte Gewissen bei jedem Happen. Das Völlegefühl nach nur wenigen Kalorien. Der Zwang, gegessene Kalorien direkt wieder weg zu trainieren. Der Drang, sich wundervolle dünne Mädchen anzusehen. Mädchen, bei denen Freunde sagen, sie seien zu dünn. Für einen selbst jedoch sind sie perfekt!

All das gehört wohl zu mir!

Und auch wenn ich mir versuche einzureden, es sei nicht so. Diese Stimme in meinem Kopf sagt mir, dass ich mich selbst nur belüge...

Mein Freund kennt dieses Spiel. Er weiß von all dem. Und ich bin froh, dass er nicht viel dagegen sagt. Er schreitet ein, wenn es zu extrem wird. Doch er duldet diesen Kampf, den ich gegen mich selbst führe. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar! Denn wenn er nicht hinter mir stehen würde, hätte ich noch ein Problem mehr an der Backe!

6.1.15 20:36

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